Webdesign im Zeitalter der KI
Die Frage kommt inzwischen in fast jedem Erstgespräch: Braucht man für eine Webseite überhaupt noch eine Agentur, wenn eine KI in zehn Minuten eine hinstellt?
Die ehrliche Antwort ist zweiteilig. Für einen Teil der Arbeit: ja, es hat sich viel verändert. Für den anderen Teil: gar nichts.
Wo die Maschine bei uns wirklich arbeitet
Wir setzen KI im Haus an vier Stellen ein, und keine davon ist das Gestalten.
Erstens Organisation. Wir haben eigene Werkzeuge gebaut, in die unsere Leute Projektstände eintragen. Daraus entsteht ein Dashboard. Wiederkehrende Kunden stellen ihre Anfragen selbst ein, kommentieren Feedback-Runden und sehen, was gerade passiert.
Zweitens Recherche. Bei einem neuen Kunden finden wir vorab so viel heraus wie möglich: was er bisher gemacht hat, wo und wie er kommuniziert, was die Mitbewerber tun, wie der Branchenvergleich aussieht. Damit wir ein Angebot machen können, das zur Zielgruppe passt, und nicht eines von der Stange.
Drittens Anregung. Früher war der Blick auf andere limitiert. Heute finden sich Fragmente, die das eigene Denken wieder in Bewegung bringen. Eins zu eins übernehmbar ist davon nichts.
Viertens Redaktion. Bei Fachinterviews entfernt die Maschine nicht nur Pausen und Versprecher. Über ein Transkript kommen brauchbare Schnittvorschläge, die Branche und Tonfall treffen.
Und die Stelle, an der es null funktioniert
Bildinterpretation. Der Maschine zu sagen: hier ist das Rohmaterial, such etwas Schönes heraus und komponier daraus etwas emotional Ansprechendes. Das klappt nicht. Nicht ein bisschen. Emotionen versteht sie noch nicht.
Genau das ist der Punkt, der sich aufs Webdesign übertragen lässt. Eine Maschine baut ein Raster, schreibt Code und füllt Platzhalter. Sie kann Ihnen nicht sagen, welche drei Sätze auf Ihrer Startseite stehen müssen, damit ein Einkäufer bei Ihnen anfragt und nicht beim Mitbewerber.
Was das für ein Projekt bedeutet
Eine Seite, die eine KI in zehn Minuten baut, sieht nach zehn Minuten Arbeit aus. Sie ist symmetrisch, sie ist glatt, und sie sagt nichts, was nur auf Ihr Unternehmen zutrifft.
Der Aufwand hat sich nicht verringert, er hat sich verschoben. Weg vom Zusammensetzen, hin zur Entscheidung, was hineingehört. Diese Entscheidung braucht jemanden, der Ihr Geschäft versteht, mit Ihnen darüber gesprochen hat und in der Lage ist, Ihnen zu widersprechen.
Werkzeuge nehmen uns Handgriffe ab. Das Urteil nehmen sie uns nicht ab. Wer das verwechselt, bekommt eine Seite, die funktioniert und trotzdem nicht wirkt.